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 Opium in Berlin

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Duffy



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PostSubject: Opium in Berlin   9th February 2012, 22:45

Berliner Morgenpost 09.02.

Countertenor Philippe Jaroussky
Wenn Singen zur Sucht wird
Donnerstag, 9. Februar 2012 03:30 - Von Volker Tarnow

Sein französischer Liederabend in der Philharmonie wird vorerst letzte Chance sein, ihn in Berlin zu hören, denn 2013 macht Philippe Jaroussky erst einmal Urlaub. Nicht nur der Stimme zuliebe. Er wolle einfach mehr reisen, sagt er, aber nicht abends immer auftreten müssen.

Bei seinem letzten Auftritt in Berlin stand die Philharmonie Kopf. Philippe Jaroussky, unter den jungen Countertenören der Gegenwart wahrscheinlich der größte, begeisterte Ende November sein Publikum mit Händel-Arien. Doch kann Jaroussky noch mehr. Er begnügt sich nicht mit dem Barock, obwohl diese Epoche 99 Prozent des Repertoires für sein Stimmfach liefert.
Berühren statt beeindrucken

Diesmal singt er ausschließlich Lieder aus seinem Heimatland, romantische Lieder von Saint-Saëns bis Debussy. "Ich möchte lieber berühren als beeindrucken", sagt der 33-jährige Franzose, "deswegen ziehe ich langsame und traurige Arien den Koloraturnummern vor, die oft wie Karikaturen wirken. Und deswegen liebe ich auch französische Lieder - hier wird Poesie zum Ausdruck gebracht und nicht nur die Kapazität einer Stimme vorgeführt."

Das Programm, mit dem er antritt, heißt wie seine vor vier Jahren publizierte CD "Opium". Denn diese Musik macht süchtig. Genauso wie Jarousskys Stimme. Er selbst war seit Anbeginn besessen von dem Wunsch, in höchsten Tönen zu singen. Schon nach dem ersten Vorsingen akzeptierten seine Lehrer den Wunsch. "Leicht ist es nicht, denn es muss so natürlich wie möglich klingen." Und eben dies ist bei Jaroussky der Fall: eine technisch makellose, leichte und elegante Stimme, die aufgrund ihrer Höhenlage zu den virtuosesten Kunststücken in der Lage ist, ohne sich darin zu erschöpfen. Jaroussky will in Tiefen vordringen, die das stereotype Barocktheater nicht erreicht. Aus einem einfachen Grund: Jaroussky ist Romantiker.

Die Mélodies françaises, also französischen Lieder, seien sehr intim, sagt er. "Sie zeigen auf eine tiefere Weise, wer ich bin, was mein geistiges Ideal ist." Und sie bedeuten eine extreme Herausforderung. Wenn Jaroussky in Konzert Händel singt, ist es mit acht oder zehn Arien getan; ein Programm aus 20 oder 25 Liedern zu stricken, harmonisch aufeinander abzustimmen, verlangt viel mehr Vorbereitung, der Auftritt eine enorme Gedächtnisleistung.

Philippe Jarousskys Karriere begann vor gut zehn Jahren mit einem Scarlatti-Oratorium, schon drei Jahre später gründete Jaroussky seine eigene Band, das Ensemble Artaserse. An der Berliner Staatsoper ließ er 2005 aufhorchen als Telemach in Monteverdis 'Il Ritorno d'Ulisse'. Seine Solo-Alben verraten einen Künstler, der sich für die Musik der Epoche des Kadinals Mazarin in gleichem Maße interessiert wie für Giovanni Carestini, einem der berühmtesten Kastraten des 18. Jahrhunderts. Vivaldi und Caldara widmet er sich mit gleicher Hingabe - und nicht zuletzt dem französischen Lied. Mit Schubert aber hält er sich zurück. Obwohl Jaroussky ganz gut deutsch spricht, traut er sich dieses Repertoire nicht zu. Sein Anspruch ist auch hier der höchste. "Ich habe es einmal versucht, mich aber dabei nicht gut gefühlt. Vielleicht ist meine Stimme nicht dunkel genug. Außerdem musst du bei Schubert den deutschen Geist fühlen können, die Kultur und den Kontext genau kennen. Bei Bach ist das genauso."

Von Hause aus Bariton, bereiten ihm Sprünge in andere Register ziemliche Schwierigkeiten. Stimmlich hält sich Jaroussky gern in hohen Sopran-Lagen auf, schnelle Koloraturen fallen ihm denkbar leicht. Die Musik sei in den letzten Jahren immer schneller geworden, hat er festgestellt, das Publikum liebt diese Art von Elektrizität, und die Sänger könnten sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Trotzdem versucht er es hin und wieder. Und sein Kunstgriff heißt, typisch für einen Romantiker, Rubato. "Bei den Aufnahmen, die Reynoldo Hahn vor hundert Jahren als Sänger und Pianist gemacht hat, kann man lernen, was ein Rubato ist: nicht einfach nur schneller werdend und langsamer, sondern ein ganz anderes Zeitbewusstsein, die Chance, einen einzelnen Moment oder ein einzelnes Wort herauszuheben." Jaroussky fügt hinzu: "Wir haben das Rubato verloren. Heute gilt es als altmodisch und artifiziell, manche finden es sogar schockierend. Ich finde, es ist ein sehr expressiver Weg, Musik zu machen."

In einem Jahr wird Philippe Jaroussky sein Zeitbewusstsein noch stärker erweitern - er macht acht Monate Pause. Das tut der Stimme gut, und er lernt mehr von der Welt kennen als beim Tournee-Alltag. Asien, Australien, Südamerika lauten die Ziele. Er hegt aber Zweifel, ob er es so lange ohne Gesang aushält. Gegen die Singsucht ist noch kein Kraut gewachsen.

Philharmonie (Kammermusiksaal) Countertenor Philippe Jaroussky singt Lieder des Fin de siècle. Tel. 479 974 66 Am 16.2. um 20 Uhr
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Pilarddcc



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PostSubject: Re: Opium in Berlin   10th February 2012, 21:20

Thanks Duffy!

May anyone help me with this part?

"Von Hause aus Bariton, bereiten ihm Sprünge in andere Register ziemliche Schwierigkeiten. Stimmlich hält sich Jaroussky gern in hohen Sopran-Lagen auf, schnelle Koloraturen fallen ihm denkbar leicht. Die Musik sei in den letzten Jahren immer schneller geworden, hat er festgestellt, das Publikum liebt diese Art von Elektrizität, und die Sänger könnten sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Trotzdem versucht er es hin und wieder. Und sein Kunstgriff heißt, typisch für einen Romantiker, Rubato. "Bei den Aufnahmen, die Reynoldo Hahn vor hundert Jahren als Sänger und Pianist gemacht hat, kann man lernen, was ein Rubato ist: nicht einfach nur schneller werdend und langsamer, sondern ein ganz anderes Zeitbewusstsein, die Chance, einen einzelnen Moment oder ein einzelnes Wort herauszuheben." Jaroussky fügt hinzu: "Wir haben das Rubato verloren. Heute gilt es als altmodisch und artifiziell, manche finden es sogar schockierend. Ich finde, es ist ein sehr expressiver Weg, Musik zu machen."

I can understand he loves Rubato and he finds it very expressive but the first part is not clear for me. Any English/Italian/French (or Spanish of course!) abstract?
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Astarto



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PostSubject: Re: Opium in Berlin   17th February 2012, 19:13

Hello, Pilarddcc,

it says something like {in not very good German by Tarnow}: "Actually a bariton, jumps into other registers don´t come easy to him." {A quite nonsensical statement.} "Vocally Jaroussky likes to be in higher soprano ranges, fast coloratura comes extremely easy to him. Music had become ever faster over the last year, he noticed, the audience loves this kind of electricity, and singers can not evade this development. Nevertheless he tries now and then. And his craft is, typical for a romanticist, rubato. "In the recordings Reynaldo Hahn did as a singer and pianist hundred years ago one can learn what rubato is: not just to become faster or slower, but a completely different conciousness of time, the possibility to lift out a single moment or word." Jaroussky adds: "We have lost the rubato. These days it is seen as oldfashioned and aritificial, some even find it shocking. I think it is a highly expressive was of creating music."


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Pilarddcc



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PostSubject: Re: Opium in Berlin   17th February 2012, 19:27

Thank you very much Astarto!
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Duffy



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PostSubject: Tagesspiegel 18.02.2012 review "Opium" in Berlin   18th February 2012, 08:31

Betörend: Philippe Jaroussky

im Kammermusiksaal

Das schafft nur Philippe Jaroussky: 1000 Leute in den Kammermusiksaal zu locken, zu einem Programm mit französischer Salonmusik der Belle Epoque. So viel Aufmerksamkeit ist den Komponisten selber wohl nie zuteil geworden, wenn sie ihre Lieder in den großbürgerlichen Wohnhallen vortrugen: Atemlos lauscht das Publikum Jarousskys Interpretationen von Reynaldo Hahn, Guillaume Lekeu, Gabriel Fauré, Ernest Chausson und anderen weitgehend unbekannten Meistern.

Dabei ist gar nicht so viel Text zu verstehen. Selbst an Muttersprachlerohren dringen von den Versen lediglich die wichtigsten Schlüsselworte.

Das ist aber kein Malheur, geht es in diesen mélodies doch vor allem um Atmosphäre und – Parfüm. Das deutsche Kunstlied mag in erster Linie nach Wald riechen und nach tränennassem Linnen. Das französische duftet. Da sind die Rosen und der Flieder, das ist die Frühlingsbrise und der kühlende Nachtwind, da sind diese süßen Küsse. Jaroussky und sein Klavierbegleiter Jérôme Ducros wissen, wie man diesen Miniaturen tausend raffinierte Details abgewinnt, über schillernden Klavierharmonien erhebt sich die helle, gerade Stimme des Countertenors. Ein Abend höchster Sublimierungskunst, eine Gesangs-Soirée, deren Faszination nicht von strahlenden Spitzentönen herrührt, sondern vom feinsten, schwebenden Pianissimo. Grand enthousiasme dans la salle. Frederik Hanssen
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PostSubject: Re: Opium in Berlin   Today at 22:24

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